Alfred Theodor Ritter • »Ritter Sport Schokoladen«

Neue Serie: Deutsche Unternehmer-Dynastien Teil 1

Der Discounter Lidl überrollte Deutschland mit einer gigantischen aber fragwürdigen Qualitäts-Werbekampagne und macht auch vor dem Thema Schokolade nicht halt. Herr Ritter, wir fragen Sie als Deutschlands Schokoladen-König: Woran erkennt man eigentlich gute Schokolade?
Zuallererst gute Zutaten: wenn deren Ausgangsqualität nicht stimmt, lässt sich das später im Produktionsprozess nicht mehr umkehren. Deshalb geben wir uns bereits beim Bezug von Rohstoffen besonders viel Mühe. Dazu kommt – auch bei Schokolade – das Thema Frische: gute Schokolade ist frische Schokolade.

Was macht Ritter Sport besser als die Konkurrenz?
Wir kaufen beispielsweise unseren gesamten Jahresbedarf an Haselnüssen direkt im Anschluss an die Ernte und lagern die Nüsse in der Schale und unter speziellen klimatischen Bedingungen ein. Die Schale wird erst unmittelbar vor dem Rösten geknackt, wodurch die Nüsse länger frisch bleiben. Dann haben wir 13 verschiedene Schokolademassen, d.h. individuelle Schokoladen-Rezepturen für verschiedene Sorten, um den jeweils besten Geschmack zu erzielen.
Dazu produzieren wir auftragsbezogen und nicht auf Lager, d.h. der Konsument findet besonders frische Ritter Sport Tafeln im Regal.

Ist der heutige K1aRitter0onsument der gleiche wie vor zehn Jahren?
Er ist sicher sensibler geworden und zusätzliche Themen wie Nachhaltigkeit gewinnen an Relevanz, aber – gerade in Deutschland – ist der Markt weiterhin äußerst preissensibel, speziell bei Lebensmitteln.

Ihre Großmutter Clara erfand die quadratische Tafel bereits 1932. Die Einführung der innovativen Ritter Sport Joghurt, der ersten Joghurtschokolade, und die Premiere bundesweiter Fernsehwerbung brachten Ihrem Unternehmen 1970 den landesweiten Durchbruch. Der einprägsame Slogan „Quadratisch. Praktisch. Gut.“ trat seinen Siegeszug an. Im Prinzip macht Ritter Sport seither immer dasselbe und damit trotzdem vieles besser als andere Traditionsmarken. Worin liegt der Erfolg?
Im Detail, so bei sortenabhängig unterschiedlichen Stückchen-Größen oder einer unterschiedlichen Steg-Höhe. Wir beschränken uns zwar, aber das was wir machen, machen wir gut und das schmeckt der Verbraucher. Dazu gehen wir auch bei der Vermarktung eigene Wege wie man beispielhaft an unserer Bahnhofskampagne mit informativen, aber auch augenzwinkernden, bisweilen selbstironischen Sprüchen erkennen kann.

Welche Schokoladensorte ist die beliebteste bei Ihren Kunden?
Nach wie vor der Klassiker: die Voll-Nuss.

Und Ihr persönlicher Favorit?
Das wechselt. Momentan ist es unsere Edel-Vollmilch.

Mit wem würden Sie gerne mal eine Tafel Ritter Sport vernaschen?
Mit dem Dalai Lama.

In Nicaragua errichten Sie seit 2013 auf ehemaligem Brachland eine eigene Plantage, auf der nach nachhaltigen Prinzipien Kakao angebaut wird. 2017 soll „El Cacao“ den ersten Kakao für Ihr Unternehmen liefern. Wie kam es zu diesem Engagement?
Das war eigentlich die konsequente Fortführung von etwas, das bereits 1990 begonnen hat. Wir haben damals – ausgehend von einer sogenannten Modellkooperative – begonnen, Kleinbauern in Nicaragua beim Kakaoanbau zu unterstützen. Diese Kooperation ist über Jahrzehnte gewachsen und umfasst heute zahlreiche in Kooperativen organisierte Bauern. Um die Bezugsmengen zu steigern und gleichzeitig das Thema Nachhaltigkeit weiter zu forcieren, haben wir daneben begonnen, selbst Kakao anzubauen.

Ist das Schokoladengeschäft bis auf das Endprodukt weit weniger süß als viele glauben?
Es ist schon hart, angefangen von den Lebensbedingungen der Bauern in Westafrika über die ungeheure Konzentration bei Lieferanten wie Abnehmern, die massiven wirtschaftlichen Druck erzeugt. Dazu eine hohe Preissensibilität beim Verbraucher bei gleichzeitig permanent steigenden Kosten…

Sie sind in Waldenbuch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Spielt bei Ihrem Unternehmertum auch heimatliche Verbundenheit eine Rolle?
Natürlich, auch wenn es zu meiner (Schul-)Zeit als Fabrikantensohn im lokalen Umfeld nicht immer ganz einfach war.

Sie haben einmal gesagt: „Ein hochwertiges Produkt bekommen Sie nicht mit schlechten Mitarbeitern hin“ – ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland und der Region Stuttgart?
Ja, die Leute hier sind gut ausgebildet, der technische Support ist hoch und schnell, die Verkehrsinfrastruktur ordentlich, was aber nicht heißt, dass man sich darauf ausruhen kann oder es nichts zu verbessern gäbe.

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Auf welche Leistung sind Sie besonders stolz?
Ritter Sport nach 2005 wieder auf Erfolgskurs gebracht zu haben.

Wofür haben Sie kein Verständnis?
Für die aktuelle Energiepolitik in diesem Lande (nicht Ländle).

Wenn Sie einen Orden verleihen könnten, wer würde ihn bekommen? Und warum?
Die Herren Winfried Kretschmann und Heiner Geißler, weil sie Vertrauen in die Integrität von Politikern schaffen.

Mit wem würden Sie gerne mal einen Monat tauschen?
Das verrate ich nicht.

Schwaben ist berühmt für seine Genusskultur. Wie genießt ein Alfred Ritter?
Neben Schokolade durchaus auch mit Rostbraten, Spätzle und einem guten Wein. Am besten im Anschluss an eine Fahrrad-Tour oder einen Waldspaziergang, jedenfalls etwas in der Natur.

Lieber Gourmetrestaurant oder Landgasthaus?
Das Eine muß das Andere nicht ausschließen, gerade hier in der Region, aber prinzipiell lieber Landgasthaus

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrestaurant in der Region Stuttgart?
Waldhorn Bebenhausen.

Gibt es einen heimischen Lieblingswinzer?
Claus Bischoff.

Sie sind nicht nur Schokoladen-Fabrikant, sondern auch überzeugter Ökounternehmer. Ritter Sport sei „ein energieintensives Unternehmen, aber so energieeffizient wie kaum ein anderes“, habe ich mal in einem Interview von Ihnen gelesen. Was machen Sie anderes?
Wir haben ein Blockheizkraftwerk, Photovoltaik auf den Dächern und nutzen sowohl Erdwärme wie –kälte. Die Schokoladenherstellung ist zwar tatsächlich vergleichsweise energieintensiv, weil die flüssige Schokomasse im Wechsel erhitzt und gekühlt werden muss, aber die Schokolade gibt die Energie später zurück: in Form von guter Laune.

1aRitter4Ihre Schwester ließ neben der Fabrik ein Museum für quadratische Kunst errichten. Welche Rolle spielt Kunst im Leben der Familie Ritter?
Eine große vor allem für meine Schwester. Ich bin da nicht so tief drin, erfreue mich aber stets an den Exponaten. Wir haben – auch in den Büros und Fluren bei Ritter Sport – zahlreiche hängen. Übrigens: gute Schokolade zu machen ist ebenfalls eine Kunst.


Ritter Sport im Jahr 2025. Worauf dürfen wir uns freuen?
Sehr gute Schokolade mit einem Gutteil Kakao aus eigenem Anbau.

Ich bedanke mit für das Gespräch.


Zahlen & Fakten
Gründung: 1912
Mitarbeiter: 1400
Umsatz: 470 Mio. Euro
Vertrieb in 100 Länder
Mehr Informationen unter www.ritter-sport.de