Weingut Seeger

Wein im Blut


Es ist ja so eine Sache mit der Evolution. Braucht ein Lebewesen keine Augen, weil es sein ganzes Leben in einer Höhle verbringt, so verschwinden diese über viele Jahrtausende aus dessen Gesicht. Andersrum könnte man formulieren: Beschäftigt sich eine Familie über 350 Jahre lang mit Wein, so schlägt sich das langsam aber sicher auch genetisch wieder. Die Winzerfamilie Seeger aus der Gegend um Heidelberg ist ein solcher Fall, bei dem die Evolution ihr Übriges getan hat, um den Weinbau, das Winzerdasein und das Leben im Einklang mit der Natur fest in ihrer DNS zu verankern.

Heute steht Thomas Seeger an der Spitze dieses Weinguts, das zu den ganz großen Ausnahmen in Deutschland, Europa, gar der Welt zählt. Wie andere Charakterköpfe der Weinwelt, die vor einigen Jahrzehnten diese Qualitätsrevolution im deutschen Weinbau anzettelten, studierte er bis Mitte der Achtziger in Geisenheim, trug die Visionen, Ideen und kühnen Pläne, die er sich dort angeeignet hatte, nach Hause ins elterliche Weingut in Leimen. Und begann Schritt für Schritt, das Weingut Seeger zu einem der besten der Welt zu machen. Das ging natürlich nicht von heute auf morgen: 1987 wurde umfangreich renoviert, 2004 wurde der Keller modernisiert und erweitert. Der Lohn: Seit 2010 ist das Weingut Seeger im VDP, insbesondere in diesen letzten sieben Jahren hat man Bemerkenswertes geschaffen, das weit und breit seinesgleichen sucht.

Hier, am südlichen Ende der Badischen Bergstraße, sorgen Muschelkalk und Bundsandstein für außergewöhnliche Böden, die nur noch einen außergewöhnlichen Winzer benötigen, um Großes zu vollbringen. Und wenn Thomas Seeger eines ist, dann kein Winzer von der Stange. Unermüdlich ist er im Weinberg im Einsatz, prüft, verfeinert, hegt und pflegt seine Reben in der kleinsten Weinregion Badens. Wer ihn schon mal bei der Arbeit gesehen hat, weiß, wie wichtig sie ihm ist: Er mäht vorsichtig die Brennnesseln, lässt aber die Löwenmäulchen stehen. Kontrolliertes Nichtstun, darum geht es ihm. Das kann eine Menge Arbeit sein, ja, das sollte es sogar. Für Seeger ist es selbstverständlich, die Natur sich selbst zu überlassen und nur im Ernstfall einzugreifen.

„Weil ich mir damals keinen großen Burgunderwein leisten konnte, musste ich ihn selber machen“, so sagt Seeger gern zu seiner Motivation, Winzer zu werden. Natürlich wäre er es eh geworden, diese Zunft steckt ebenso tief in seinen Knochen wie die Region, in der er aufgewachsen ist. Das Zitat zeigt aber exemplarisch, worum es ihm geht: Nicht um Weine, die ganz nett sind, die sich gut trinken lassen. Sondern um Ausnahmeweine, die man nicht mehr so schnell vergisst. In ihnen stecken seine Persönlichkeit, die Persönlichkeit seiner Ahnen und die Persönlichkeit der Natur, in der sie wachsen. Das sollte immer so sein, sicherlich. Bei Seeger führt es aber eben zu roten und weißen Burgundern, die so gut sind, dass man den Unterschied und die 350 Jahre Erfahrung sofort schmeckt.


info@seegerweingut.de
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