Björns Reisenotizen • Jean Georges Steakhouse in Las Vegas

Es gibt viele gute Gründe, um nach Las Vegas zu fahren. Junggesellenabschiede, überstürzte Hochzeiten oder Spielsucht sind drei davon. Richtig gutes Essen dürfte bei den meisten Touristen eher nicht so weit oben auf ihrer Prioritätenliste stehen. Ein grober Fehler, wie ich finde. Denn auch wenn Las Vegas wie alle US-amerikanischen Großstädte natürlich ein Überangebot an Fast-Food-Ketten, Dumping-Buffets und „All you can eat“-Restaurants aufweist, verstecken sich in den gigantischen Hotelkomplexen zunehmend ausgezeichnete Restaurants.

Einer der neuesten Resort-Giganten ist das Aria Resort & Casino. Ein Luxushotel von Dimensionen, wie es sie nur in Las Vegas gibt: 3436 Gästezimmer und 568 Suiten auf 61 Stockwerken – Platz 9 der Hotels mit den meisten Zimmern weltweit. Elf Restaurants befinden sich auf der Anlage, eines davon ist Jean Georges Steakhouse. Erdacht von Jean-George Vongerichten, New Yorks Kulinarikpapst par excellence, hat das Steakhouse nur sehr wenig mit üblichen Vertretern dieser Zunft zu tun. Es ist riesig, es ist nicht billig – und es bietet neben vielen anderen karnivoren Knallern vor allem eines: Kobe-Beef in der A5-Marmorierung aus der Präfektur Hyogo. Mit anderen Worten: Das wahrscheinlich beste Stück Rindfleisch der Welt.

Das knapp 200 Gramm wiegende Filet hat einen stolzen Preis, aber es ist nun mal, wie es ist: Die Nachfrage bestimmt das Finanzielle. Und im Falle dieses Stücks Kobe muss man einfach sagen, dass man es sonst nicht bekommt. Dennoch wandert es recht unzeremoniell an unseren Tisch. Nicht, dass ich einen Gong, eine Ansprache oder genussvolle Schweigeminute erwartet hätte; aber eben schon etwas mehr als ein zackig hingestellter Teller und ein kurzes „Enjoy!“

Man lässt hier anscheinend den Geschmack für sich sprechen. Und gute Güte, was der zu erzählen hat. Das Steak wurde rare bestellt und kam zwar nur medium-rare an den Tisch, ist aber von unfassbarem Aroma. Butterweich, geschmacksintensiv, außen gut angeröstet: Ein perfektes, vielleicht sogar das perfekte Stück Fleisch. Es schmilzt förmlich im Mund, ist purer Geschmack und kann, nein, sollte ohne jedwede Beilagen genossen werden. Nun tritt die Kellnerin doch noch mal an den Tisch und erzählt hinter vorgehaltener Hand, ein sehr reicher Amerikaner hätte dieses Steak mal „well done“ bestellt und dann nach Ketchup verlangt. Es gibt offensichtlich Dinge, die sind selbst in Las Vegas unerhört.


JEAN-GEORGES STEAKHOUSE
3730 S Las Vegas Blvd
Las Vegas
NV 89158
Vereinigte Staaten von Amerika
www.jean-georges.com


Björn Springorum ist Autor, Journalist und verdammt viel unterwegs. Privat, beruflich oder irgendwo dazwischen reist er durch die Welt, macht dabei bevorzugt in London, dem Rest von England, Skandinavien, Südeuropa … ach, sagen wir einfach: überall dort Halt, wo es gutes Essen gibt. Für www.dasbestederregion.de berichtet er exklusiv von seinen Erlebnissen, Entdeckungen und Geheimtipps.