Weingut des Monats:
Albrecht Schwegler

Weingut des Monats: Albrecht Schwegler

Die Barrique-Bande

Zeit. Sie zu haben, vor allem aber sie zu geben ist längst zum höchsten Gut geworden. Schweglers nehmen sie sich. Und geben sie ihren Weinen. Ganz bewusst stemmen sie sich gegen die grassierende Manie, alles immer noch schneller verfügbar zu machen. Das macht das Familienweingut aus Korb zu einer Ausnahmeerscheinung in der Welt im Allgemeinen und dem Winzertum im Speziellen. Alle, wirklich alle Weine lagern bei ihnen im Barrique. Die Roten bis zu 24 Monate, die Weißen immerhin noch ganze zwölf.

Das Ergebnis? Weine mit Charakter, mit Ausstrahlung, die trotz merklicher Holznote nie wuchtig oder extrem daherkommen. Und sich eine Eigenart bewahren, die selbst ungeübte Genusstrinker sofort herausschmecken. Woher diese Ruhe kommt, ist allerdings nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Obwohl sie, wie viele schwäbische Traditionsgüter, im wunderschönen Remstal vor den Toren Stuttgarts keltern, blicken Schweglers nämlich nicht auf eine Weinbaudynastie zurück, die gefühlt bis zum Dreißigjährigen Krieg zurückreicht und allein deswegen mit einer gewissen Grundentspannung versorgt.

Die Ruhe, sie muss also aus ihnen selbst herauskommen. Und in der Tat: Andrea und Albrecht Schwegler, die das Weingut 1990 aus der Taufe hoben, sind gelassene, herzliche Menschen, denen man die Leidenschaft für ihren Beruf anmerkt. Wohl auch deshalb gelang es ihnen spielend, mit Julia und Aaron Schwegler gleich auch die zweite Generation auf ein Leben zwischen Reben einzuschwören: Seit 2009 drücken die beiden dem Weingut den Stempel auf, erst mit ihrer Ankunft zogen auch die Weißweine ins Portfolio ein. Ehrensache: Für jeden Wein wird aus verschiedenen Holzarten und Altern das passende Fass gesucht. Aber etwas anderes als diese Sorgfalt kommt für Schweglers eben nicht im Frage – im Weinberg ebenso wie im Keller.

Mit Erfolg: Ebenso wie Schwegler Senior 1990 mit gerade mal 65 Ar an den Start ging und seine gefeierte Rotweincuvée Granat entwickelte, so besonnen und dennoch mutig gehen Julia und Aaron heute mit den mittlerweile sieben Hektar um. Noch immer sind Schweglers kein wirklich großes Weingut. Das war aber glücklicherweise noch nie ein Hindernis, um wirklich große Weine zu erzeugen. Und genau dafür stehen Schweglers: Die Granat-Weine sind legendär und international gefeiert, beeindrucken mit langer Lagermöglichkeit und einer tiefen Finesse, die man bei deutschem Rotwein lange suchen muss. Ach was, sagen wir einfach wie es ist: Einen besseren Rotwein finden Sie zumindest in Württemberg nicht.

Gestaffelt in Edelstein-Klassifikationen, brillieren auch die Klassen Beryll und Saphir; sogar die Weine, die augenzwinkernd unter dem Motto „d‘r Oifache“ („der Einfache“) laufen, erfreuen mit Barrique-Aroma und satten Aromen. Gut, dass es die gleich in der Literflasche gibt. Und weil der Sommer endlich vor der Tür steht, müssen wir an dieser Stelle unbedingt noch auf Schweglers jüngste Kreation hinweisen: InCide, ein verhängnisvoll spritziger Apfelperlwein mit Holunderblütensirup, entstanden auf Streuobstwiesen. Also, wenn Heimatverbundenheit immer so schmeckt, dann ziehen wir sofort ins Remstal!


Weingut Albrecht Schwegler
Steinstraße 35
71404 Korb
T +49 (0)7151 34895
weingut@albrecht-schwegler.de
www.albrecht-schwegler.de